Andreas Erwerle wird neuer Stadtbaumeister


Presseartikel vom aus der Südwest Presse

Die Entscheidung war eindeutig: Um 18.30 Uhr stand am Donnerstagabend fest, dass der Ehinger Gemeinderat den Architekten Andreas Erwerle aus Nürtingen mit 28 Stimmen bei 31 Stimmberechtigten zum neuen Stadtbaumeister gewählt hat.

Das Interesse war groß, das Ergebnis ist klar: Mit 28 Stimmen bei 31 Stimmberechtigten hat der Ehinger Gemeinderat am Donnerstagabend vor 50 interessierten Bürgern und Mitarbeitern aus der Verwaltung in der Aula des Johann-Vanotti-Gymnasiums den Architekten Andreas Erwerle zum Nachfolger von Stadtbaumeister Heinz Fiesel gewählt. Der 55-Jährige freute sich nach seiner Wahl über den Vertrauensvorschuss, hatte zuvor aber mit einer soliden Vorstellung auch viel für dieses Ergebnis getan.

Schon im Mai waren Erwerle und seine Frau Ariane Babelotzky in Ehingen gewesen und hatten sich Innenstadt und einige Ortschaften angeschaut. So gelang es ihm, in einer Mischung aus Bestandsaufnahme und Perspektiven die Gemeinderäte zu überzeugen: Die Schmiech und der Zugang zum Wasser, eine Innenstadtentwicklung im Spannungsfeld zwischen modernem Ersatzbau und sorgfältiger Sanierung, ein „Wachkitzeln“ der Unteren Stadt, das Klimaschutzkonzept als wichtiger Ansatz – Ehingen brauche sich im Vergleich zu Biberach und Ulm nicht zu verstecken, müsse aber seine Infrastruktur bewahren und weiterentwickeln. Die Stadt müsse das aktiv angehen; Instrumente dafür sind für Ewerle auch Wettbewerbe, weil sie die Chance auf die beste Lösung bieten, und eine Bürgerbeteiligung, bei der es darum geht, Ideen zu sameln. Dächingen sieht er als gutes Beispiel für einen lebendigen Dorfkern und hält den Ansatz für richtig, mit der Business Park Ehingen GmbH zu versuchen, die Schlecker-Zentrale neu zu beleben.

Im Unterschied zu Jörn Marx, der vor allem seinen Lebenslauf von Kiel über Hameln, Ulm und Magdeburg bis hin zu seiner Arbeit als Baubürgermeister in Dresden in den Mittelpunkt gestellt hat, blieb Erwerle auf Ehingen fixiert und scheute auch die eine oder andere Festlegung nicht: Ja, es wird in die Höhe gehen müssen, wenn es zu Nachverdichtung in der Stadt kommt, und ja, man wird Investoren Zugeständnisse machen müssen, wenn man sie für ein Engagement in Ehingen gewinnen will. Gleichzeitig hat er aber deutlich gemacht, dass die Stadt klipp und klar sagen müsse, was sie an dieser Stelle will.

Solche klaren Aussagen gab es bei Jörn Marx nicht. Der Baubürgermeister, der sich im Oktober beruflich neu orientieren muss, weil er als CDU-Mitglied im rot-rot-grünen Stadtrat keine Aussicht auf Wiederwahl hat, versuchte, durch seine Beteiligung an Ulmer Sanierungsgebieten wie Fischerviertel oder Kreuz, der Internationalen Bauausstellung in Magdeburg oder dem Wiederaufbau der Dresdner Innenstadt zu beeindrucken, blieb aber auch auf Nachfragen von Manuel Hagel (CDU) zu Führungsstil, Benedikt Maier (Grüne) zu Bürgerbeteiligung oder Martina Schuhmacher (CDU) zu Ortschaften im Ungefähren. Georg Mangold (SPD) brachte mit seiner Frage, ob Marx vielleicht zu groß für Ehingen oder Ehingen zu klein für Marx sei, die Stimmung auf den Punkt. Und als Christian Walther (Junges Ehingen) auf seine Frage, was Marx eigentlich an Ehingen reize, zur Antwort erhielt, dass dieser mit Blick auf den Wohnsitz der Familie in Ulm wieder zurück in den Süden wolle, war die Entscheidung des Gremiums eigentlich klar.


Autor: Andreas Hacker
Foto: © Jürgen Emmenlauer
Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ehingen/andreas-erwerle-wird-neuer-stadtbaumeister-20378813.html