Noch mehr Freiraum für Kulturelles


Presseartikel vom aus der Südwest Presse

Ende des Monats zieht die Chameleon-Bewegung aus ihrem "Wohnzimmer" aus (wir berichteten). Was an Miete gespart wird, soll in Projekte fließen.

"Es war von vornherein klar, dass der Raum nicht perfekt für unsere Vorhaben geeignet ist", sagt Christian Walther, Mitbegründer der Chameleon-Bewegung, die seit 2007 alternative Kunst und Kultur in Ehingen fördert. Konzerte beispielsweise seien in ihrem "Wohnzimmer", wie die Chameleons den Keller im Haus Pfeifer nennen, wegen der Anwohner nicht wirklich möglich. Der Auszug sei deswegen nur konsequent und habe nichts damit zu tun, dass das von der Stadt ersteigerte Haus an der Ecke Hauptstraße und Sonnengasse irgendwann einmal abgerissen wird.

"Das war unsere Entscheidung", sagt Walther, "im Laufe des Jahres wollen wir uns auf größere Veranstaltungen konzentrieren." Angedacht sind zum Beispiel Aktionen im Rahmen der Kirbe, des Trödelmarktes und des Skatepark-Open-Airs, erörtern Walther und Christian Pohl, der unter anderem die Internetseite der Chameleons betreut.

Durch die Neuausrichtung ohne eigenen Klubraum könne sich die Bewegung künftig noch intensiver ihrem eigentlichen Ziel widmen: der Stärkung des kulturellen Programms in Ehingen. Denn um Miete und Fixkosten für das "Wohnzimmer" einzuspielen, hatten die Chameleons in der Vergangenheit auch weniger anspruchsvolle Veranstaltungen organisiert, etwa eine 80er/90er-Party für Mitglieder. "Je kultureller das Programm, desto geringer sind die Einnahmen", begründet Walther. Eigene, ortsgebundene Veranstaltungen wie ein geplanter Hörspiel-Workshop oder Konzerte sollen aber auch künftig nicht zu kurz kommen. Deswegen wollen sich die Chameleons am Projekt "Alte Post" beteiligen - auf diesen Namen werde sich das "Junge Forum" vermutlich für den geplanten Verein im Ehinger Jugendzentrum einigen, so Walther.

Als eine Art Stadtjugendring plant die Initiative, Künstler, Vereine und Institutionen beitragsfrei unter einen Hut bringen (wir berichteten). Diese sollen das Jugendzentrum mit Bühne, schalldichten Fenstern und ohne direkte Anwohner für Veranstaltungen jeglicher Art nutzen können, ohne dass sie sich zuvor mit bürokratischen Hürden wie Nutzungsvereinbarungen oder Ausschankgenehmigungen befassen müssen. Walther, ebenso Mitglied des "Jungen Forums", will in den kommenden Tagen mit Bürgermeister Sebastian Wolf die letzten Details abklären. Starten soll das Projekt im Februar oder März.


Autor: Christian Ippach
Foto: © Christian Ippach
Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ehingen/noch-mehr-freiraum-fuer-kulturelles-17201089.html