Julia Fischer rückt in den Ehinger Gemeinderat nach


Presseartikel vom aus der Südwest Presse

Ein Leben ohne Kunst ist wie ein Leben ohne Träume.“ Das schreibt Julia Fischer aus Ehingen auf ihrer Seite bei Facebook, auf der sie mit vielen Fotos zeigt, was die 31-Jährige an Bildern geschaffen hat. Eine Leidenschaft, wie sie sagt, und Gegenpol zur Arbeit bei Liebherr, wo die Betriebswirtin seit fünf Jahren in der Logistik beschäftigt ist. Nun kommt ein weiterer Bereich dazu, dem Julia Fischer mit viel Respekt begegnet: die Mitarbeit im Ehinger Gemeinderat.

Am Donnerstag wird die junge Frau, die aus Kirchbierlingen stammt und sich in der Ehinger Innenstadt wohlfühlt, als Nachfolgerin von Stefan Engst verpflichtet. Eine Aufgabe, auf die sie sich in den vergangenen Wochen vorbereitet hat, die aber auch nicht gänzlich neu für Julia Fischer ist. Denn über Christian Walther, den sie von ihrer gemeinsamen Schulzeit am Technischen Gymnasium an der Gewerblichen Schule Ehingen her kennt, kam sie über die Chamäleon-Bewegung zur Gruppe Junges Ehingen, die sie von Anfang an unterstützt hat: 2009 noch mit ihrer Unterschrift, damit die neue Liste bei der Kommunalwahl zugelassen wird, und 2014 dann mit ihrer Kandidatur. 1509 Stimmen hat sie damals erhalten, das bedeutete Platz drei auf der Liste Junges Ehingen, die mit Christian Walther (2325) und Stefan Engst (1592) erneut mit zwei Gemeinderäten ins Gremium eingezogen ist.

Eine gute Sache, sagt Julia Fischer; Junges Ehingen biete jungen Leuten, die sich für Politik interessieren und in Ehingen etwas gestalten wollen, die Möglichkeit, sich zu engagieren, ohne sich für eine Partei entscheiden zu müssen. Politik zum Reinschnuppern.

Hoffen auf ein Festival
Bei allem Respekt vor der Aufgabe, die sie jetzt angeht, bringt die 31-Jährige auch eine ganze Menge an Erfahrungen und Überzeugungen mit, die ihr als Kompass dienen sollen: Aufgewachsen in der Budenkultur der Pfarrei, weiß sie um die Bedeutung von Freizeitangeboten und Treffpunkten für Jugendliche und junge Erwachsene in der Stadt und hofft deshalb, dass es gelingen kann, das Jugendzentrum weiter zu öffnen, sowohl mit Blick auf die Besuchergruppen als auch auf die Räumlichkeiten. Die Idee einer Öffnung zum Groggensee hin, entwickelt auf dem Jungen Podium 2015, an dem sie beteiligt war, hält sie weiter für ein ganz wichtiges Ziel. Entsprechendes gilt für den Skatepark: Mit ihrer Einschätzung, dass er „ab vom Schuss“ sei, dass Toiletten fehlen und dass es zum Schutz der Kinder auch eine Abschottung zur Berkacher Straße hin brauche, ist sie nicht allein. Und die Hoffnung auf ein Ehinger Festival als Signal für junges Leben in der Stadt will sie auch nicht aufgeben.

Weil sie häufig zu Fuß in der Stadt unterwegs ist, beobachtet sie Veränderungen und sieht den einen oder anderen Leerstand, der ihr Sorgen macht. Sie weiß um den Zustand der Unteren Stadt und um die Notwendigkeit, dort zu sanieren, fürchtet aber auch um den Bestand. Es dürfe nicht zuviel vom Alten verschwinden, sagt sie, es wäre schade, wenn sich das Stadtbild komplett verändern würde.

Bezahlbaren Wohnraum schaffen und gute Betreuungsmöglichkeiten für Kinder, damit auch Alleinerziehende arbeiten können, sind für sie wichtige Elemente einer familienfreundlichen Stadt. Dabei wird deutlich, dass Julia Fischer dieses Ehingen mag, und wenn sie mahnt, nicht alle Flächen zu verbauen, dann tut sie das, damit das so bleibt.

Ganz wichtig für sie selbst ist die Kunst: In ihrem Wohnzimmer im Merowinger Weg entstehen Bilder, meist Acryl auf Leinwand, ganz häufig ergänzt um Materialien aus der Natur wie Blüten, Asche, Holz oder zum Beispiel Majoran. „Das ist mein kreativer Gegenpol zum Arbeiten“, sagt Julia Fischer zu den zuletzt großformatig werdenden Bildern, mit denen sie Ende Juni in Berlin ihre erste Ausstellung gestalten wird.


Autor: Andreas Hacker
Foto: © Andreas Hacker
Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ehingen/eine_-die-ehingen-mag-23304099.html