Eine Bereicherung für Ehingen


Presseartikel vom aus der Südwest Presse

Am Donnerstag berät ein Ausschuss des Gemeinderats, ob der Stadtjugendring wiederbelebt wird. Die Stadt unterstützt das Vorhaben, von Jugend-Seite ist laut Christian Walther großes Interesse vorhanden.

Wer die Ehinger Stadträte zum Thema "Wiederbelebung des Stadtjugendrings" befragt, hört mehrfach ein "Ja, aber. . ." heraus. Ja, aber nur unter bestimmten Bedingungen. So meint beispielsweise der junge CDU-Stadtrat Manuel Hagel: "Ich stehe der Sache positiv gegenüber. Den Stadtjugendring neu zu gründen macht aber nur Sinn, wenn er mit viel Leben gefüllt wird." Das Projekt "steht und fällt mit der Rückmeldung der Jugendlichen". So sehen es auch Joachim Schmucker von der SPD sowie der junge Stadtrat Benedikt Maier von den Grünen: Möglichst viele Organisationen und Vereine aus allen Bereichen sollten sich beteiligen.

Christian Walther von "Junges Ehingen", das sich im Vorfeld sehr für das Thema eingesetzt hat, ist da ganz zuversichtlich: "Es gibt bereits jetzt rund 20 Jugendliche und junge Erwachsene, die definitiv mitmachen wollen." Diese stammten aus Vereinen, mehreren Schülermitverwaltungen, Musikbands, DJ-Gruppen und dem "Summer-Open-Air". Aber tatsächlich sei eine breite Beteiligung das A und O für ein Gelingen, weiß Walther, der sich selbst einst im ehemaligen Stadtjugendring engagiert hat.

Wie berichtet, gibt es von vielen Seiten schon länger die Überlegung, das Jugendzentrum einem breitgefächerteren Publikum schmackhaft zu machen. Möglichst viele unterschiedliche Jugendliche im Alter von etwa 16 bis 27 Jahren sollen das Zentrum nutzen. Konzerte, Partys und sonstige Veranstaltungen stehen für Walther im Fokus. Um eine relativ unbürokratische Nutzung des Jugendzentrums zu ermöglichen, soll der Stadtjugendring als Betreiberverein und damit "als finanzielles, rechtliches und organisatorisches Fundament" (Walther) wiederbelebt werden. Am Donnerstag wird das Thema im Kultur- und Sozialausschuss des Gemeinderats behandelt.

Die Stadtverwaltung spricht sich in der Beschlussvorlage klar für die Unterstützung aus. Ein Stadtjugendring könne das kulturelle Angebot für junge Ehinger erweitern. Voraussetzung: Es gibt genug Jugendliche, die eine Kerngruppe für den Betreiberverein bilden, sowie einen allgemeinen und beitragsfreien Zugang für Vereine, Schülermitverwaltungen (auch der weiterführenden Schulen) und Institutionen der Stadt.

Nach Angaben der Stadtverwaltung ist das Interesse bei der Zielgruppe groß: Konzerte von Schülerbands, Abiturs- und Aufstiegsfeiern von Vereinen und vieles mehr seien vorgeschlagen worden. Die Räume des Jugendzentrums seien gut geeignet, die Mitarbeiter mit einbezogen, außerdem soll eine Musikanlage beschafft werden. Die Mittel für eine Grundausstattung dazu wurden bereits im laufenden Haushaltsplan eingestellt, heißt es in der Beschlussvorlage.

Als Paten für die Neugründung sind die hauptamtlichen Jugendzentrums-Mitarbeiter Daniele Coppola und Theo Sidiropoulos vorgesehen. Sie werden auch bei der Organisation von Events helfen. "Stadtjugendring Alte Post" soll der Verein laut Walther dann offiziell heißen. Zur Gründung ist eine Initialveranstaltung geplant, die interessierte junge Leute gleich mitgestalten dürfen. Maximal eine weitere Veranstaltung pro Monat am Samstagabend ist fürs erste Jahr vorgesehen. "Wir müssen schauen, wie die Sache anläuft", begründet Walther. Sein Wunsch wäre, dass sich künftig mehr Gymnasiasten beteiligten.

Das Konzept sieht außerdem vor: Der normale Betrieb des Jugendzentrums wird nicht tangiert. Politische und kommerzielle Veranstaltungen sind nicht erlaubt. Verantwortlich für Veranstaltungen ist der Stadtjugendring. Bistro, sanitäre Anlagen und technische Ausstattung werden ihm unentgeltlich überlassen. Gestattet ist zudem ein "kontrollierter Verkauf von Bier und gegebenenfalls einzelnen, definierten Cocktails" (nicht jedoch von Hochprozentigem), um die Akzeptanz der Veranstaltungen bei den über 16-Jährigen zu erhöhen.

"Ich hoffe ja, dass der Stadtjugendring außerdem als Sprachrohr dient und sich bei kommunalpolitischen Fragen, die die Belange Jugendlicher betreffen, einmischt und Gehör verschafft." So lautet der Wunsch von SPD-Rat Schmucker, dessen Partei sich bekanntlich für die Gründung eines Jugendgemeinderats einsetzt. "Den bräuchten wir dann vielleicht gar nicht mehr", überlegt Schmucker.

Er hält es jedoch für richtig, dass der Stadtjugendring im Jugendzentrum keine politischen Veranstaltungen machen darf. Dieser Auffassung ist auch Maier: Der Verein dürfe nicht von einer politischen Richtung dominiert werden, solle sich aber als Interessensvertreter aller Jugendlichen zu politischen Themen äußern. Der Grünen-Stadrat geht davon aus, dass sowohl seine Fraktion als auch der Gemeinderat insgesamt dem Projekt grünes Licht geben werden. "Es wäre eine Bereicherung für Ehingen."


Autor: Corinna Jirmann
Foto: © Ippach
Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ehingen/_eine-bereicherung-fuer-ehingen_-18887901.html