Die Jugend abholen und als Partner ernst nehmen


Presseartikel vom aus der Südwest Presse

Die Skater aus Ehingen und Umgebung bekommen am Samstag offiziell die neue Skateanlage übergeben. Bereits zur Planung waren die Jugendlichen auch über die Initiative Junges Ehingen miteinbezogen.

Knapp zweieinhalb Jahre Planung, wenige Wochen Bauzeit und etwas über 70 000 Euro Kosten - so lässt sich die Entstehung der neuen Skateanlage am Berkacher Grund zusammenfassen. "Das ist im Rückblick betrachtet eine lange Zeitspanne", sagt Christian Walther, Gemeinderatsmitglied von Junges Ehingen. Gemeinsam mit SPD und Grünen brachte die Initiative Junges Ehingen im Juni 2011 den Antrag für die Anlage, die am Samstag endlich offiziell eröffnet wird, in den Gemeinderat ein.

Oft war in Gremien über Standorte wie Bauentwürfe diskutiert, manches verworfen, einiges abgeändert worden - bis schließlich das Konzept für den jetzigen Standort in der Berkacher Straße stand. Besonderes Lob bei der Mitgestaltung gelte Anja Mildenberger vom Amt für Bildung, Jugend und Soziales sowie den Verantwortlichen beim Bauhof, erzählt Walther. Kräftig mitgewirkt habe zudem Christoph Schlegel als Vertreter der Skater und Martin Föhr, Walthers Fraktionskollege. Föhr, von Beruf Landschaftsarchitekt, machte sich bei der Einbettung der Anlage in das Landschaftsbild verdient. Denn die Skateanlage, so der fraktionsübergreifende Tenor im Gemeinderat, sollte sich bestmöglich in das Stadtbild fügen. Konkret bedeutet das eine noch ausstehende Pflanzung mehrerer Bäume um die an der Schmiech gelegene Örtlichkeit herum. Damit ist den Jugendlichen einerseits ein natürlicher Schattenspender gegeben; ferner verschwimmen so die Grenzen zwischen Natur und Bauwerk.

Selbst beweihräuchern wollen sich Walther und Föhr indes keineswegs, sagt Walther. Die Initiative stellt vielmehr das Zusammenwirken verschiedenster Stellen in den Vordergrund: "Alle Verantwortlichen der Stadt haben bei der Planung ein großes Engagement an den Tag gelegt", freut sich der 28-Jährige. Junges Ehingen habe lediglich unterstützend mitorganisiert und - ganz im Sinne des eigenen basisdemokratischen Selbstverständnisses - als Sprachrohr der Jugend in die entscheidenden Gremien hineingewirkt.

Die zumeist jugendlichen Skater wurden von Beginn an ernst genommen. So war gewährleistet, dass sich die Entwürfe eng an den Wünschen und Bedürfnissen der Skater orientierte; ferner war damit garantiert, dass die Skateanlage am Ende auch angenommen wird. "Man muss bei solchen Projekten ganz einfach die Jugend abholen und in die Verantwortung stellen", mahnt Walther. Denn nur wenn die Jugend als Partner ernst genommen werde, könne sich auch bei den Jugendlichen ein Verantwortungsgefühl überhaupt erst herausbilden.

Verantwortung für die neue Anlage zeigen die zumeist jungen Skater bereits jetzt. Alle achten gemeinsam penibelst darauf, dass kein Vandalismus betrieben wird. Auch bei der Reinigung legen sie kurzum selbst Hand an. "Das zeigt doch, wie stolz die Jugendlichen auf ihren Platz sind", gibt Walther zu bedenken. In seinem jetzigen Zustand werde der Platz wohl über viele Jahre hinweg kaum Reparaturen und damit Kosten nach sich ziehen.

Bestenfalls noch ausstehende Verbesserungen wie Bänke, einem WC sowie Trinkwasserbrunnen zur Erfrischung könnten noch weitere Mittel aus der Stadtkasse erforderlich machen. "Ein kleiner Geräteschuppen, damit die Skater den Platz auch künftig selbst sauber halten können, wäre noch sinnvoll", ergänzt das Gemeinderatsmitglied. Für ihn stellt sich die Frage nach dem Sinn solcher kleineren Investitionen nicht: "Wir müssen uns doch ständig fragen, was uns junge Menschen wert sind." Schnellschüsse will aber auch er nicht unternehmen. Nach der Eröffnung am Samstag mit Skatecontest und Musik-Acts richtet sich der Blick in einigen Wochen erneut auf die Anlage. Dann wird sich zeigen, welche Verbesserungen sinnvoll scheinen.


Autor: Stefan Bentele
Foto: © Bernhard Raidt
Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ehingen/die-jugend-abholen-und-als-partner-ernst-nehmen-20879143.html