Damit in Ehingen was los ist


Presseartikel vom aus der Südwest Presse

Steine auf dem Weg sind dazu da, weggeräumt zu werden. Das sagt Christian Walther, der vor drei Jahren auf die Idee gekommen war, Kommunalpolitik in Ehingen mit einer neuen, jungen Liste selber zu machen.

Etwas einfacher hatten sie sich das schon vorgestellt: "Wenn wie beim Skaterplatz von der Idee bis zum Ja im Gemeinderat mehr als zwei Jahre vergehen", sagt Christian Walther von der Liste Junges Ehingen, "dann muss man diese Rückschläge erst einmal verarbeiten". Das hat der 27-Jährige in den zweieinhalb Jahren, in denen er mit Martin Föhr (28) in Ehingen Kommunalpolitik macht, inzwischen gelernt. Und keiner der beiden ist dabei müde geworden, im Gegenteil: Sie haben Erfahrungen gesammelt und Lust darauf, diesen Versuch des Selbermachens fortzusetzen und auszubauen.

Am Anfang stand, was Walther die Initialzündung nennt: Da muss man was machen, hatte er sich im Winter 2008/2009 gesagt, als im Freundeskreis ein Satz immer häufiger fiel: In Ehingen ist nichts los. Und weil ein Gemeinderat, in dem keine jungen Leute sitzen, auch keine jungen Themen wahrnimmt, war klar, wo sie ansetzen wollten. Sie, das waren Freunde, die sich haben anstecken lassen von der Idee, ohne parteipolitische Festlegung in Ehingen für Ehingen aktiv zu sein.

"Uns war klar, dass wir mit sieben Prozent nicht die Welt verändern können", sagt Walther mit Blick auf den Erfolg der jungen Gruppe bei der Wahl im Juni 2009. Aber sie können die Themen, die ihnen wichtig sind, zumindest einmal auf die Tagesordnung setzen. Das war und ist beim Skaterplatz so, der bis Sommer an der Berkacher Straße entstehen wird, und das soll auch beim Veranstaltungsraum so sein, der als nächstes auf ihrer Liste steht. Im Gespräch halten, zur Meinungsbildung beitragen - das ist ihr Konzept für eine Arbeit, in der sich Walther und Föhr als Mittler sehen. Und als Verstärker. "Wenn zehn verschiedene Leute zur Stadt gehen und ihr Anliegen vortragen, hat das eine andere Wirkung als wenn wir vorher mit denen sprechen und die Wünsche bündeln", sagt Walther. Eine ganz wichtige Ebene ist dabei das soziale Netzwerk Facebook: Ob Leerstand im Modehaus Kaim, Auswahl der Geräte für die Skateanlage oder die Suche nach einem Platz für den Veranstaltungsraum - wenn Walther ein Thema zur Debatte stellt, gibt es dort hundertfache Antworten. Etwa 2500 Freunde hat Junges Ehingen dort, das ist ein Spitzenwert. "Die Leute wissen, dass sie mit einem Click bei Facebook ein Thema groß und wichtig machen können", sagt Walther, "und sie sehen auch, dass wir uns darum kümmern und fühlen sich mit ihren Interessen wahrgenommen".

Wo andere Fraktionen in Sitzungen die Tagesordnungspunkte vorberaten, telefonieren sich Föhr und Walther zusammen und besprechen die Themen bei einem Kaffee. Dass die Arbeit im Rat auch aus vielem Anderen als jungen Themen besteht, wissen die beiden. Für den Landschaftsarchitekten Föhr ist das aber eher Ansporn als Hemmschuh: "Wenn ich meinen Beruf als Planer mit der Stadtentwicklung in Ehingen verbinden kann, ist das doch optimal". Politik, sagt er, schaffe den Rahmen für die Gesellschaft; daran mitzuwirken ist für ihn eine lohnende Aufgabe selbst dann, wenn er wieder mal erleben muss, wie Mehrheiten eingesetzt werden: "Es gab schon Stimmen im Gemeinderat mit Argumenten, die nicht schlüssig waren. Wenn dann deren Punkt trotzdem durchgeht, weil sich die Fraktion schon in Vorgesprächen so entschieden hat, dann ist man schon enttäuscht."

Unterm Strich fühlen sich Martin Föhr und Christian Walther aber gut aufgenommen im Gemeinderat: Manche haben anfangs gedacht, das sei so ein Spaßprojekt, erinnert sich Walther. Das habe sich geändert. "Wir fühlen uns mit unserem eigenen Profil, das wir immer wieder im Gespräch mit jungen Leuten bilden, ernstgenommen", sagt Föhr. Und weil sie sich auf ihre Themen konzentrieren, laufen sie auch nicht Gefahr, sich zu verzetteln: Erst der Skaterplatz, dann der Veranstaltungsraum, am besten in Trägerschaft eines Fördervereins oder eines wieder zu gründenden Stadtjugendrings - das ist ihr Ziel. Schließlich soll ja in Ehingen für junge Leute wieder was los sein.


Autor: Andreas Hacker
Foto: © SWP
Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ehingen/damit-in-ehingen-was-los-ist-18215771.html