Stadtjugendring Ehingen fordert Junges Podium


Presseartikel vom aus der Südwest Presse

In lockerer Atmosphäre mit Gemeinderäten über Kommunalpolitik reden; dieses Angebot für junge Menschen will der Stadtjugendring anbieten.

Welche Themen der Gemeinderat in seinen Sitzungen diskutiert, kommt bei vielen Jugendlichen womöglich gar nicht an. Eine Idee von Christian Walther und dem Stadtjugendring (SJR) ist es, einen Austausch zwischen jungen Menschen und den Gemeinderäten zu organisieren. Im Jungen Podium sollen Themen, die auf der Tagesordnung des Ehinger Gemeinderats stehen, vorab gemeinsam diskutiert werden. Mitglieder aller Fraktionen seien beim Jungen Podium willkommen, sagt Christian Walther, Vorsitzender des Vereins. Dabei setzt er insbesondere auf jüngere Räte, „weil sie einen besseren Draht zu jungen Leuten haben.“

Walther kann sich vorstellen, dass künftig etwa eine Woche vor den Ratssitzungen das Junge Podium im Jugendzentrum zusammenkommt. Kommunalpolitik in lockerer Atmosphäre ist die Idee dahinter. Wichtig sei, dass es ein leicht zugängliches Angebot bleibt: „Es geht darum, Einfluss auf Kommunalpolitik zu nehmen, ohne sich irgendwo aktiv engagieren zu müssen“, sagt Walther. So sei die Hemmschwelle geringer.

Mit dem Jungen Podium sollen die jungen Ehinger aber auch eine Stimme im Gremium bekommen: „Mein Ziel ist es, die Meinung von jungen Leuten weiterzutragen – unabhängig davon, ob ich ihre Meinung teile oder nicht.“ Dass das Angebot ankommt, davon ist Walther überzeugt. Themen wie Radwege-Ausbau oder der Skatepark, aber auch Beiträge für Kindergärten und Krippen wären für junge Menschen sicher von Interesse, meint er.

In der jüngsten Ratssitzung hat Walther, der selbst im Ehinger Gemeinderat Junges Ehingen vertritt, die Idee vorgestellt. Bei Gesprächen mit einzelnen Fraktionsmitgliedern nach der Sitzung sei er auf offene Ohren gestoßen, berichtet er.

„Ich finde es geradezu eine großartige Initiative“, sagt Benedikt Maier, Vorsitzender der Grünen-Fraktion. Klar ist, dass nur der Gemeinderat abstimmen kann. Aber in der Kommunalpolitik seien die Wege kurz: „Wenn Jugendliche etwas an mich herantragen, gebe ich es weiter.“ Auch Fraktionskollege Christopher Gulde bejaht das Vorhaben. „Je mehr unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen, desto näher kommt man der Wahrheit.“ Außerdem bekomme man Anregungen, an die man selbst nicht gedacht hat. „Die Herausforderung wird es aber sein, es am Leben zu erhalten“, sagt Gulde.

„Ich habe da noch keine feste Meinung“, sagt hingegen Manuel Hagel (CDU). „Generell ist Bürgerbeteiligung ein tolles Ziel.“ Es müssten jedoch noch einige Fragen geklärt werden. Etwa, ob es bloß eine Veranstaltung ist, in der informiert wird, oder ob es auch um aktive Mitarbeit geht. „Ich möchte nicht, dass Frustration geschaffen wird.“

Georg Mangold (SPD) hält sich zurück: „Das muss noch mit der Fraktion besprochen werden.“ Er deutet jedoch an, dass die Information über das Junge Podium eher überraschend kam. Die SPD hatte seit längerer Zeit versucht, einen Jugendgemeinderat zu installieren. Zuletzt hatte die Fraktion im Februar in einem Brief an Oberbürgermeister Alexander Baumann und Bürgermeister Sebastian Wolf deutlich gemacht, dass in Verbindung mit der Herabsetzung des Wahlrechts von 18 auf 16 Jahren ein Jugendgemeinderat sehr wichtig wäre, um junge Menschen an politische Verantwortung heranzuführen. Bei der Hauptversammlung des SPD-Ortsvereins im April wurde intern Kritik daran geäußert, dass das Anliegen nicht als Antrag an den Gemeinderat ging. Mangold hatte das Vorgehen jedoch verteidigt: „Wir haben das bewusst nicht als Antrag formuliert, damit es im Gemeinderat nicht gleich abgebügelt wird.“

In seiner nächsten Sitzung am 8. November will der Stadtjugendring die Gründung des Jungen Podiums voranbringen. Walther: „Es geht nur noch um Formalien.“


Autor: Julia Deresko
Foto: © Nomi Sonntag
Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ehingen/stadtjugendring-ehingen-fordert-junges-podium-21511279.html