Neuwahl des Ehinger Stadtbaumeisters


Presseartikel vom aus der Südwest Presse

Eines steht fest: Wenn sich der Ehinger Gemeinderat heute für einen der beiden Bewerber entscheidet, rückt wieder ein Architekt an die Spitze des Ehinger Stadtbauamts, wo zuletzt eher Vermesser das Sagen hatten.

Auf den ersten Blick geben die beiden Kandidaten, die sich heute dem Ehinger Gemeinderat zur Neuwahl eines Stadtbaumeisters stellen, eher Anlass zu Fragen. Denn sowohl Andreas Erwerle aus Nürtingen als auch Jörn Marx aus Dresden sind oder waren Beigeordnete, also deutlich höher eingestufte Spitzenleute in Stadtplanung und Bauverwaltung, die sich beruflich neu orientieren müssen, weil sie wie Erwerle nicht mehr wiedergewählt wurden oder wie das CDU-Mitglied Marx im rot-rot-grünen Stadtrat von Dresden keine Aussicht auf eine Wiederwahl haben.

Weil aber beide darauf Antworten haben und sich mit ihren 55 (Erwerle) und 57 Jahren (Marx) auf einen Neuanfang auch eine Etage tiefer einlassen, sieht es so aus, als könnte es im Ehinger Stadtbauamt schon Mitte September (Erwerle) oder am 8. Oktober (Marx) zu einem Neuanfang kommen, nachdem Heinz Fiesel am 15. Juli in den Ruhestand verabschiedet worden ist. Es wäre dann die Wiederkehr eines Architekten an die Spitze eines Amts, in dem zuletzt mit Rolf Wassermann und Fiesel zwei Vermesser das Sagen gehabt haben. Die eher unglücklichen Jahre mit der Baubürgermeisterin Susanne Johner-Helppi nach 2002 zählen kaum, denn sie war schon nach kurzer Zeit mit dem damaligen OB Johann Krieger derart über Kreuz, dass sie keinerlei Duftmarken setzen konnte.

Auf den zweiten Blick bieten deshalb beide Bewerber mit ihrer fachlichen Qualifikation und ihren Führungserfahrungen die Chance, in Ehingen ein Amt neu zu ordnen, dass von Baumann wie Fiesel zwar immer schön geredet worden ist, tatsächlich aber bei den Leuten als Ganzes betrachtet ein nur mäßiges Ansehen hat. Dazu kommt, dass Erwerle wie Marx signalisieren, dass sie auf bislang eher vernachlässigte Bereiche wie vorgezogene Bürgerbeteiligung und Aktualisierung der Bauleitplanung Wert legen wollen.

Beide haben sich mit Ehingen befasst. "Ich erlebe Ehingen als eine sehr dynamische Stadt mit einer hohen Wirtschaftsleistung und städtebaulichem Potenzial für die weitere Entwicklung, insbesondere Innenstadtentwicklung", sagt Marx, der in Kiel geboren ist und studiert hat und nach einer Station in Hameln von 1998 bis 2006 in Ulm Abteilungsleiter Baurecht, Umwelt und Wohnen war. Aus dieser Zeit kennt er Ehingen auch über die Sanierungstreuhand Ulm, den Sanierungsträger der Stadt. Seither gibt es bei Marx auch eine Bindung an die Region; trotz seines Wechsels zunächst nach Magdeburg und dann nach Dresden hat die Familie ihren Wohnsitz in Ulm nicht aufgegeben. Als Hauptziel für Ehingen nennt Marx die Verdichtung der Innenstadt mit Wohnen und Einzelhandel.

Andreas Erwerle ist in Esslingen geboren, hat nach dem Abitur eine Lehre als Zimmerer gemacht und dann in Stuttgart studiert. Er ist geprüfter Restaurator, war 2001 bis 2007 Leiter des Hochbauamts der Stadt Neckarsulm und von 2007 bis jetzt Technischer Beigeordneter in Nürtingen. In den Berichten über die Wahl im März, in der Erwerle nach acht Jahren im Amt nur 1 von 32 Stimmen erhalten hat, ist davon die Rede, dass er gesagt haben soll, er halte nichts von Visionen. Das sei leider verkürzt worden, erklärt der vierfache Vater. Würde er Ehingen autofrei machen wollen, sei das eine Vision, von der er nichts halte, weil das nicht zu erreichen sei. Am Beispiel des Volksbank-Areals am Ehinger Marktplatz die Innenentwicklung der Stadt zu fördern sei dagegen ein erreichbares Ziel, von dem er sich leiten lassen will.


Autor: Andreas Hacker
Foto: © SWP - Andreas Hacker
Quelle: https://www.swp.de/suedwesten/staedte/ehingen/neuwahl-des-ehinger-stadtbaumeisters-20370085.html